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"War Oppenheimer ein ‚jüdischer Fugger’ des 18. Jahrhunderts, der den ‚Typ des modernen, feingebildeten Businessman’ vorwegnahm, oder handelte er vielmehr als der ‚schlimmste jüdische Blutsauger’? Stellte der Freidenker im Leben einen gott- und gewissenlosen ‚Zyniker’ vor, aus dem im Sterben ein jüdischer ‚Heiliger’ wurde? War er der galante ‚jüdische Casanova’ oder aber der im Kavaliershabit elegant ‚getarnte Jude’, ein ‚übler Rassenschänder’? Ist ihm schon der präzionistische kämpferische ‚Israeli’ anzumerken oder gehört er als ‚un Dreyfus jamais rehabilité’ in die jüdische Leidensgeschichte, seines Volkes Märtyrer, Sündenbock für die Verfehlungen anderer, Opfer des religiösen Fanatismus und mörderischen Judenhasses der Christen, Spielball des Machtkalküls der Herrschenden, entsagungsvoller Weiser von Gleichnisbedeutung? Ist ‚Jud Süß eine Gestalt der ‚Sage’ oder der ‚Legende’, ist er ‚Mythos’ oder ‚Symbol’ geworden, oder ist er einfach eine ‚deutsche Lüge’?"

Barbara Gerber, Jud Süß: Aufstieg und Fall 1990

Aktualisiert am 30. März 2007