KommentareInhalt
Stimmen aus dem Ausstellungstagebuch„eine sehr beeindruckende und lehrreiche Ausstellung“ „hervorragende Ausstellung“
„Erstmalig erlebe ich eine historische Aufarbeitung dieses Themas. Es hat mich sehr beeindruckt – meine bisherigen Ansichten sind fragwürdig geworden. Vielen Dank!“ „Sehr gut und notwendig diese Ausstellung. Sie offenbart unsere antijüdische Haltung seit Jahrhunderten!“
„...aus Budapest tief berührt durch die Ausstellung“ „Sehr aufschlussreich, danke für die Mühe!“
„Diese Ausstellung ist wirklich aufklärend. Sie zeigt anschaulich & auch beispielhaft, wie historische Ereignisse in unterschiedlicher Form wiedergegeben und verwendet werden und diese für die Leser bzw. Betrachter jeweils die Wahrheit ist. So regt diese Ausstellung auch zum allgemeinen kritischen Umgang mit den Medien an. Sehr gut!“ „Die Ausstellung mit einer Fülle von Informationen hat mir sehr gefallen! Schade, dass es keine Katalog oder zumindest eine Broschüre darüber zu kaufen gibt.“
„Eine überaus interessante, fundierte und differenzierte Ausstellung!“ „Achtet den Juden, aber kriecht ihnen nicht in den Hintern...“
„Warum muss diese schöne mittelalterliche Kirche ständig durch Stellwände oder Kunst (?)objekte zugemüllt werden? Kann man den Raum nicht einfach Raum sein lassen? So interessant die Ausstellung ist, man hätte dafür sicherlich auch Platz im Gemeindehaus finden können.“ „Ich habe mich sehr gefreut, neben dem Besuch der schönen Kirche noch eine überaus interessante Gratis-Ausstellung besichtigen zu können. Im Gemeindehaus wäre sie mir sicherlich entgangen. Also Danke für soviel kulturelle Offenheit.“ Worum geht es hier eigentlich? — Eine Erwiderung auf Hellmut G. HaasisIm Rahmen der ersten Präsentation der Ausstellung „Jud Süß“ – Geschichte(n) einer Figur im Sommer 2006 in Göttingen haben wir auch den Reutlinger Autoren Hellmut G. Haasis eingeladen, um mit ihm ein Gespräch zum Thema „Aktuelle Zugänge zu Jud Süß“ zu führen.[1] Offensichtlich hat Herr Haasis sich an der Darstellung und Bewertung seiner Oppenheimer-Arbeiten im Rahmen der Ausstellung und bei der Abendveranstaltung gestört.[2] Auf den völlig unangemessenen Ton und die inhaltlich falschen Aussagen, mit denen er seinen Unmut darüber nachfolgend geäußert hat, wollen wir an dieser Stelle nicht eingehen. Stattdessen wollen wir einige Punkte der Argumentation in unserer Ausstellung an dieser Stelle noch einmal ausführen, da unsere Position offenbar nicht deutlich genug geworden ist. Das Thema der von uns erarbeiteten Ausstellung ist nicht in erster Linie das „Leben des Joseph Süß Oppenheimer“, sondern es geht uns um die „Figur Jud Süß“. Diese geht zwar vom historischen Oppenheimer aus, jedoch wird – und das zeigen wir in der Ausstellung – die Rezeption Oppenheimers bereits früh überlagert von antijüdischen Bildern und Stereotypen. Durch die Tatsache, dass die Akten des Prozesses bis nach dem 1. Weltkrieg nicht zugänglich waren, haben diese Flugschriften und zahlreichen antijüdischen Darstellungen und Texte über „Jud Süß“ das Bild und die Rezeption der Figur über fast zwei Jahrhunderte – in mancherlei Hinsicht kann man auch sagen noch länger – bestimmt. Thema unserer Ausstellung ist es, die Kontinuitäten und Wandlungen dieser zumeist antisemitisch geprägten Figur „Jud Süß“ von den Tagen Joseph Süß Oppenheimers bis zur Gegenwart zu untersuchen und nach den jeweiligen Formen der Darstellung und Verwendung zu fragen. Da unser vornehmliches Interesse also der Figur und ihrer Wirksamkeit galt, haben wir nicht wie Herr Haasis sieben Jahre im Stuttgarter Hauptstaatsarchiv die Prozessakten bearbeitet, sondern die für unsere Fragestellung relevanten Quellen bearbeitet. Dazu gehören auch die genannten Arbeiten Hellmut G. Haasis, die wir analysiert und das Ergebnis in der Ausstellung vorgestellt haben. Von besonderem Interesse war für uns im Rahmen der Ausstellung vor allem die frühe Arbeit von Haasis zu Oppenheimer: das 1994 erschienene Buch Die Rache des Joseph Süß Oppenheimer, in dem eine Erzählung mit Illustrationen des Jerusalemer Künstlers Jona Mach und einer Edition von Quellen sowie einem biographischen Essay abgedruckt wurden.[3] Während Haasis in seiner 1998 bei Rowohlt erschienenen Oppenheimer-Biographie betont, dass „das Leben des Heidelberger Financiers [...] hier nicht aus der Perspektive des sowieso klügeren Nachgeborenen beschrieben“ wird und „die Einsichten in seine Biographie [...] aus den Quellen erzählt“ werden, und nicht einfach „vom Himmel“ fallen, so wird in diesem Buch von 1994 deutlich, dass es gar nicht so leicht ist, kein Nachgeborener zu sein. Die Perspektive des Nachgeborenen – und zwar sowohl des Nachgeborenen von Joseph Süß Oppenheimer als auch des Nachgeborenen der NS-Zeit, des 2. Weltkrieges und der Shoa – verbinden sich in Haasis Erzählung, die dem Nachwort von Alfred Diwersy zufolge durch die Feststellung inspiriert worden sei, dass das Verscharren der Überreste des Süß genau 200 Jahre vor der Bombardierung Stuttgarts erfolgte.[4] Die Erzählung ist zeitlich in den Tagen vor Oppenheimers Hinrichtung angesiedelt und stellt Oppenheimers Leiden in der Haft dar, in Erinnerungen und Rückblenden wird aber auch sein Leben vor der Inhaftierung thematisiert. Haasis verbindet in dem Text die Geschichte Oppenheimers mit der NS-Zeit und der Bombardierung Stuttgarts am Ende des 2. Weltkriegs. Im Text finden sich an diversen Stellen Anspielungen auf die NS-Zeit[5] sowie „Vorahnungen“ Oppenheimers von der Bombardierung Stuttgarts im 2. Weltkrieg[6], seiner „Rache“ an der verhassten Stadt: „Zweihundert Jahre nach seinem Tod fiel sein Fluch über Stuttgart her. Es war die Zeit, die Süß durch die Mauern der Stiftkirche hindurch gesehen hatte. Sie stand unter einem Kreuz, das an den Enden gekrümmt war. Die erdige Farbe des Galgenbergs floß weit ins Land hinaus. Braune Todesmärsche durchfurchten das Land, und sie überschwemmten Europa. Auch Geistliche hielten dabei mit. Jud Süß beherrschte Bücher und Zeitungen. Ein schmachtender Film schenkte prickelnden Genuß. [...] Der Film wurde gefeiert. Die Mordkommandos ließen sich damit vorzüglich aufpeitschen und bildeten sich ein, selbst noch im kleinsten Kind den Jud Süß zu zerschmettern. Niemand sprach beim Film von Justizmord. Die es hätten tun können, waren längst als Landesverbrecher vertrieben oder ebenfalls ermordet worden. Den Hauptdarsteller des Süß begrub eine Welle von Liebesbriefen. Das war die trügerische Ruhe vor Joseph Süß Oppenheimers Rache.“[7] Die eigentliche Zusammenführung der Geschichte(n), die „Rache Oppenheimers“ erfolgt dann in der Person des jungen jüdischen Piloten, der aus Rache für seine deportierten und im Osten verschollenen Eltern Stuttgart bombardiert. „Erdreich spritzte in die Höhe, sank wieder zurück. Häuser fielen zusammen. Brandfackeln schossen hoch. Schreie wurden vom Lärm zusammenbrechender Gebäude verschluckt. Die Stadt: ein Brandmeer. Die Nacht: taghell. Über dem Inferno streifte der Pilot mit kindlich staunenden Augen den Untergang seines alten Wohnviertels. [...] Das Patrizierhaus mit Süßens Käfigstäben war gleich zu Beginn der Bombardierung in Flammen aufgegangen. Das Balkongitter verbog sich kaum. Die Gegend von Süßens geheimem Grab, seit langem mit Wohnhäusern überbaut, blieb unversehrt. Vom Sitzungsgebäude des landständischen Parlaments, in dem Süßens geschworene Feinde tagten und eifersüchtig über die Pfründe ihrer Familien wachten, standen nachher nur noch die Grundmauern. Als der junge Emigrant sich auf dem Heimflug über Mannheim umwandte, sah er den Himmel noch immer brennen. Zuhause geriet dem noch wenig erfahrenen Piloten auf der Landebahn die Maschine dann außer Kontrolle, brach auseinander und brannte mit der Besatzung aus. Die alte Heimatstadt des toten Flüchtlings war indessen stolz darauf, judenfrei zu sein.“[8] Nicht nur für Hellmut G. Haasis, auch für den Jerusalemer Maler Jona Mach, der die Illustrationen des Buches entworfen hat, ist die Tatsache, dass er ein ‚Nachgeborener’ ist, dass seine Familie unter den Nationalsozialisten gelitten hat und aus Deutschland vertrieben wurde, maßgeblich für sein Interesse an Oppenheimers Biographie: „Mein Vater, deutscher Jude, war ein bekannter und kreativer Diplomingenieur. Er baute Brücken, die ersten Hochhäuser, Fabriken, Siedlungen. Über Nacht wurde er als einer der ersten durch die Nazis entlassen, enteignet und vertrieben. So ist es wohl selbstverständlich, dass das Thema des „Jud Süß“ und sein Schicksal für mich ein nahestehendes, ‚persönliches’ und menschliches ist. Vor allem heute, in einer Zeit, in der ‚Fremdenhaß’ und ‚Antisemitismus’ viele Deutsche wieder beschäftigen.“[9] In vielen seiner Abbildungen verdeutlicht er das Leiden Oppenheimers, das Bild, dem in der Erzählung Oppenheimers Verfluchung der Stadt zugeordnet ist, zeigt Oppenheimer mit dem Judenstern der NS-Zeit[10], ein anderes zeigt die zerstörte Stadt Stuttgart über der der Geist Oppenheimers schwebt.[11] Mit der Erzählung und der Illustration schaffen Haasis und Mach eine neue Bildlichkeit Oppenheimers, die sie den zahlreichen judenfeindlichen Abbildungen und den in der Überlieferung so dominanten Stichen des 18. Jahrhunderts mit zahlreichen Hinrichtungsszenen entgegenstellen. Teil dieser neuen Bildlichkeit ist die Shoa. Das Problem einer solchen Darstellung des Lebens Oppenheimers liegt darin, dass ihm der historische Rahmen genommen wird und seine Geschichte „enthistorisiert“ wird: Der Antisemitismus, der zum Holocaust führte, ist trotz mancher Kontinuitäten nicht gleichzusetzen mit dem Antijudaismus, mit dem Oppenheimer zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Württemberg konfrontiert war! Aber nun gut, es ist eine Erzählung, keine historische Abhandlung. „Der undifferenzierte Jud Süß“Wir schreiben in unserer Ausstellung über Haasis Oppenheimer-Bild unter anderem: „Haasis zeichnet ein gänzlich positives Bild Oppenheimers. [...] Oppenheimer erscheint bei Haasis als stolzer, tapferer und bis zuletzt ungebrochener Jude. In dieser positiven Überzeichnung findet keine differenzierte Auseinandersetzung mit der historischen Figur statt.“ Was meinen wir damit? In Haasis Oppenheimer-Biographie sind die Rollen durchgängig klar verteilt, es gibt die Guten und die Bösen, die Haasis mit seiner bisweilen deftigen Sprache verteidigt beziehungsweise verflucht. Dass dieses Schwarz-Weiß Muster in die Sackgasse führt, soll an einem Beispiel gezeigt werden: Als einer der ersten Autoren, die sich mit Oppenheimers Leben beschäftigten[12], hat Haasis dem Thema „Frauen und Liebschaften“ ein eigenes Kapitel gewidmet. Haasis kritisiert darin, dass das Liebesleben Oppenheimers überhaupt Teil des Prozesses gewesen sei, denn eventuelle Sexualstraftaten seien für den Hochverratsprozess bedeutungslos gewesen. Hinter der „Lust“ mit der die Juristen sich auf „Spuren des Liebeslebens“ gestürzt hätten, sieht er „Voyeurismus in der Dienstzeit. Das Ganze unter dem heuchlerischen Vorwand, die lädierte Sexualmoral des pietistischen Ländchens rächen zu müssen“.[13] Auf den folgenden fast 25 Seiten des Buches wird dem Leser des Buches auf den Prozessakten basierend das Sexualleben des Joseph Süß Oppenheimer präsentiert: welche Frauen Oppenheimer wann und wo traf und in welchen Verbindungen er mit Ihnen stand, mit welcher Frau er welchen Sex hatte, welche Frauen er vergewaltigte. Das Ziel der Argumentation von Haasis ist es nun einerseits, das Klischee des „jüdischen Casanova“ zu durchbrechen: „Das erotische Leben war in Wirklichkeit eingeschränkt gewesen. Als Außenseiter hatte Süß in den höfischen Kreisen keine Chancen, ganz zu schweigen beim bürgerlich-patrizischen Württemberg, das ihn lieber am Pranger gesehen hätte als bei einem Kuß.“[14] Andererseits geht es ihm darum, die Gewalttätigkeiten Oppenheimers und die Vergewaltigungen, die in den Prozessprotokollen thematisiert werden, im Vergleich und Kontext des Hoflebens zu relativieren: Zwar vergewaltigt Oppenheimer, „die anderen“ werden jedoch auch als wenig zimperlich dargestellt. „In einigen anderen Episoden ist Süß’ Gewalttätigkeit nicht zu übersehen. Die Frauen wussten womit sie zu rechnen hatten, wenn sie mit einem höheren Herrn allein ins Zimmer gingen. Das war nicht bloß beim Geheimen Finanzrat so. Gewalt dominierte aber auch auf der politischen Gegenseite, bei Süß’ Feinden. Wenn die Justiz irgendeine Frau im Verdacht hatte, zu Süß in Beziehung gestanden zu haben, dann war sie bei der Wahl der Untersuchungsmittel nicht zimperlich, wenigstens nicht gegenüber schutzlosen Frauen.“[15] Und hier – in der Frage der Positionierung zu den in den Quellen auftauchenden Vergewaltigungen – kommt der Autor unseres Erachtens an die Grenzen der klaren Rollenverteilung, des „guten Oppenheimer“ und seiner „bösen Gegner“. Es bleibt offenbar keine alternative Möglichkeit der Darstellung mehr über: Oppenheimer muss verteidigt werden. Diese Stelle ist unserer Meinung nach exemplarisch für Haasis Charakterisierung von Joseph Süß Oppenheimer. „Ein populärwissenschaftliches Sachbuch“Was Haasis offensichtlich als vernichtende Kritik an seiner Oppenheimer-Biographie aufgefasst hat, ist zunächst einmal eine schlichte äußere Beschreibung, denn seinem Buch fehlen einige der grundlegenden Kennzeichen einer wissenschaftlichen Arbeit. Dazu gehört etwa ein Forschungsüberblick als auch der durchgängige Beleg der jeweils herangezogenen Quellen und benutzten Literatur, eine Quellenkritik sowie eine breitere Kontextualisierung der Quellen.[16] Bereits auf den ersten Seiten seiner Oppenheimer-Biographie hat Haasis die Ziele seines historischen Arbeitens erläutert und sich damit offensichtlich von einer akademischen Geschichtsschreibung abgrenzen wollen: „Verzichtet wird auf Schubladen einer theoriefixierten Geschichtsdarstellung und erst recht auf eine eher verschleiernde als erklärende abstrakte Fachsprache, der die historische Gestalt als abgemagertes Beweisstück für ein vorgefertigtes Muster dient. In voller Lebenskraft soll Süß erscheinen, mit aller Widersprüchlichkeit, sein Privatleben nicht länger einer neidverzerrten Phantasie überlassen oder einfach gestrichen werden.[…].“[17] Die „volle Lebenskraft“ in der Süß erscheinen soll, geht auf Haasis umfangreiche Archivrecherchen zurück. Er will dem Leser erzählen, „wie er wirklich war“. Das wird spätestens dann schwierig, wenn die Quellen der Erzählung nur grob nachvollziehbar angegeben und damit für den Leser nur erschwert nachprüfbar sind. Und gerade das hätte einer Oppenheimer-Biographie gut getan! Veranschaulicht man sich, wie sehr Haasis die Weitergabe von falschen Angaben durch die Jahrhunderte kritisiert (sei es etwa das Alter Oppenheimers oder auch die angebliche Kritik des Tübinger Professors Harpprecht am Todesurteil gegen Oppenheimer), ist es um so unverständlicher, warum er seine Quellen nicht genau angibt und bezeichnet. Die überall in dem Buch auftauchende Empörung über alle Widersacher Oppenheimers, das rückständige, pietistische Württemberg und die durchgängige Haltung des Autors, Oppenheimers Verhalten zu verteidigen – was bis zur „Erklärung“ oder Relativierung der Vergewaltigung führt, stellt eine bei allem verständlichen Wunsch nach Aufklärung unangemessene Solidarisierung dar. Aus diesen Gründen ist Hassis’ Werk unserer Meinung nach eben keine historisch-kritische Auseinandersetzung mit der Person Joseph Süß Oppenheimer. Verschiedene Interessen und FragestellungenHellmut G. Haasis hat die von ihm als „tertiärer Zugang“ zu Oppenheimer beschrieben Herangehensweisen an das Thema „Jud Süß“, die sich für Fragen der Rezeption und Wirkungsgeschichte interessieren und eben diese erforschen, kritisiert. Uns bleibt hier einfach die Feststellung, dass es unterschiedliche Interessen an Oppenheimer gibt. Interessanterweise wirft Haasis aber genau die Frage in einem „P.S.“ auf, die uns in unserer Ausstellung antrieb, nämlich „Was waren bloß die Triebkräfte der Autoren, diese Gestalt so lange nachzuerzählen?“ Unsere Frage geht nicht nur in Richtung der Nacherzählung, sondern
uns interessierte auch die Veränderung und Verwendung dieser
Figur. Und das ist ein gänzlich anderes Interesse als die Frage nach
dem historischen Joseph Süß Oppenheimer. Denn wenn etwa der
nationalsozialistische Film von Veit Harlan den Wachmannschaften in
Konzentrations- und Vernichtungslagern vorgeführt wurde, dann ist das
der katastrophale Ausdruck einer Rezeption und eines Gebrauchs dieser
auf die historische Person Joseph Süß Oppenheimer zurückgehende Figur
„Jud Süß“.
[1] Herr Haasis hat drei Bücher zum Thema
herausgegeben: Salomon Schächter, Relation von dem Tod des Joseph Süß
seel. Gedächtnuss. Fürth/Stuttgart 1738. Einst verlegt von Mardochai
Schloß alias Marx Nathan [...] Hg. von Hellmut G. Haasis. Mit einer
Originalradierung von Angela Laich, einem Judenstern aus der Nazizeit
und einer erklärenden Beilage, 1994 Paris, Reutlingen u.a.; Hellmut
G. Haasis, Joseph Süß Oppenheimers Rache. Erzählung, Biographischer
Essay, Dokumente aus der Haft und dem Prozeß. Mit Illustrationen von
Jona Mach und historischen Stichen, 1994 Blieskastel; Hellmut
G. Haasis, Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß. Finanzier,
Freidenker, Justizopfer, 1998 Reinbek. |